Was heißt "Fledermausfreundlich"?

Fledermausfreundlich agiert, wer etwas für den Schutz und Erhalt der Fledermausbestände unternimmt. Das kann der Schutz eines bestehenden Quartiers sein oder die Neuschaffung von Quartiermöglichkeiten. Wer einen hohlen Baum im Garten nicht gleich fällt, sondern nur die Krone stutzt (damit er noch ein paar Jahre stehen bleiben kann) der bietet nicht nur Fledermäusen Unterschlupfmöglichkeiten. Wer dem nächsten Kindergarten eine Holzspende zukommen lässt, damit die Kinder mit Hilfe der Eltern und Betreuer Fledermauskästen bauen können, agiert genauso im Sinne der Tiere, wie der Hauseigentümer, der die Dachdeckung in den Herbst verschiebt, wenn die fliegenden Mitbewohner das Quartier im Dachstuhl verlassen haben und somit nicht zu Schaden kommen können. Möglichkeiten gibt es viele.

Fledermausfreundliche Gebäude bieten...

...Unterschlupf

Fledermäuse nutzen verschieden Bereiche eines Gebäudes als Quartier. Spaltenbewohnende Arten, wie etwa die Zwergfledermaus schlüpfen hinter Fassadenelemente (abstehende Schieferplatten, Bretterverkleidungen oder gerissenen Putz) oder direkt in oder zwischen die Hohlblock- oder Mauersteine, wenn die Fugen mal nicht ganz so akkurat verputzt sind. Bei den, hier in Thüringen durchaus flächendeckend vorkommenden Plattenbauten sind es die Fugen zwischen den Betonelementen, die unter anderem von Fledermäusen genutzt werden. Aber auch der vom Aussterben bedrohte Fensterladen bietet den Tieren häufig ein attraktives Tagesquartier - im geöffneten Zustand bildet sich zwischen der Rückseite des Fensterladens und der Hauswand ein einfacher Spalt, der den Fledermäusen den benötigten Bauch-Rücken-Umgebungskontakt bietet. Gern werden auch die schmalen Spalten hinter Dachkästen oder Schornsteinverkleidungen besiedelt. Fledermauskästen, die in die Fassade integriert oder nachträglich angebracht werden können, bieten hier Alternativen.

...Zugang

Freihängende Arten, wie etwa das Große Mausohr oder die Kleine Hufeisennase sind sozusagen auf der Suche nach einem Dach über dem Fuß. Sie hängen sich an Decken in geschützten, ruhigen und halbwegs dunklen Räumen. Meistens sind es die Dachböden, in denen man auf diese Fledermausarten trifft. Der Bereich zwischen den Dachsparren, nicht selten direkt an den Dachziegeln oder an den Stößen der Unterspannbahnen gehört ihnen. In der kalten Jahreszeit ziehen diese Arten in die Hohlräume von Kellern, Bergwerken und natürlichen frostfreien Höhlen um. Wichtig ist der unbehinderte Zugang zu den Räumen. Fledermäuse sind sehr standorttreu und suchen immer wieder dasselbe Quartier über den selben Zugang auf. Ein teilweise offenes Dachgiebelfenster, offene Lammellen in den Schall-Luken der Kirchtürme oder direkte Fledermausziegel in der Dachdeckung (die den Tieren das Ein- und Ausschlüpfen ermöglichen, Wind und Wetter jedoch draußen lassen) sind Beispiele für wichtige Komponenten zum Erhalt oder der Schaffung eines Fledermausquartiers.

...Ruhe und Ungestörtheit im Quartier

In dieser Eigenschaft sind uns die Fledermäuse sehr ähnlich - auch sie bevorzugen es, einen ruhigen, abgedunkelten und zugluftfreien Schlafplatz zu haben, an dem sie nicht gestört werden. Durchzug, Lärm, Licht, Erschütterungen mögen die Tiere nicht. Deshalb ist es sehr viel wahrscheinlicher, ein Fledermausquartier in einem Winkel eines genutzten, und deshalb in Stand gehaltenen Gebäudes zu finden, als in einem leer stehenden Abrisshaus.

 

Fledermausfreundliche Gärten sind ...

...naturnah

Für einen naturnahen Garten sind Strukturreichtum und viele standortgerechte heimische Pflanzen am wertvollsten. Zusammen mit einer extensiven Bewirtschaftung wird sich so in kurzer Zeit einvielfältiges und lebendiges Biotop einstellen.

...insektenfreundlich

Alle heimischen Fledermausarten ernähren sich von Insekten. Grundlage für einen fledermausfreundlichen Garten ist demnach die Erkenntnis, dass ein solcher Garten vor allem insektenfreundlich sein muss. Viele unserer heimischen Insekten sind Vegetarier, die während ihrer Entwicklung ganz bestimmte Pflanzen benötigen. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, möglichst nur nachts blühende Pflanzen für Nachtschmetterlinge anzupflanzen, sondern vielmehr sind die Nahrungspflanzen der Larven unserer Insekten hier von Bedeutung. Manche Nachtfalter nehmen als Schmetterling gar keine Nahrung mehr auf. Die Raupen dagegen lassen sich gerne füttern. Wer in seinem Garten darauf Rücksicht nimmt, wird ein reiches Insektenleben bekommen, und damit die Grundlage für zufriedene Fledermäuse schaffen.

...giftfrei

Selbstverständlich muss in einem solchen Garten vollständig auf den Einsatz von Gift verzichtet werden. Die in Pflanzenschutzmitteln enthaltenen chlorierten Kohlenwasserstoffe können sich -über die Aufnahme solcherart "vergifteter" Insekten als Nahrung - in den Fettgeweben der Fledermäuse einlagern. Die Tiere nehmen in jedem Fall Schaden und ist die Dosis zu hoch, besteht die Gefahr, dass sie sterben. Besonders betroffen sind auch die Fledermausbabys. Die Milch, von der sich die Säuglinge ernähren, enthält die Gifte aus den Fettpolstern der Fledermausmutter. Die Jungtiere sind dadurch erheblich gefährdet.