
Erst vor wenigen Jahren wurde die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) von der Zwergfledermaus als eigene Fledermausart unterschieden und beschrieben. Wenn man die Tiere nicht in der Hand hat, kann man sie nur anhand ihrer Rufe sicher unterscheiden, d.h. die Mückenfledermaus ruft bei 55 kHz (im "Sopran"), die Zwergfledermaus hingegen um 10 kHz tiefer: bei 45 kHz.
Da bisher nur ganz wenige gesicherte Nachweise für Thüringen belegt sind, hat die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie die IFT beauftragt, auf Mückenfledermaus-Nachsuche zu gehen, um nach Möglichkeit durch aktuelle Erfassungen Aussagen für die Art zur anstehenden Berichtspflicht der FFH-Richtlinie 2011/12 zu erlangen.
Da der Verdacht besteht, dass sich Mückenfledermäuse bevorzugt in Auen und Niederungen aufhalten bzw. hier "durchziehen", werden derzeit in verschiedenen größeren Flusstälern Thüringens, wie z. B. an Saale, Werra, Elster, Unstrut oder Nesse Rufaufzeichnungen mit Bat-Detektoren und automatischen Erfassungsgeräten von Fledermäusen gemacht. Über 10 IFT Mitglieder beteiligen sich bisher an diesem Programm, welches im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden wird.
(Martin Biedermann)

Am letzten Augustwochenende trafen sich 20 Mitglieder der IFT in Schafhausen in der Thüringischen Rhön zu einem intensiven Workshop, um im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie eine neue Rote Liste der Fledermäuse zu erarbeiten. Grundlage der Einstufung der jeweiligen Fledermausart in die Kriterien von "Vorwarnliste" über "gefährdet", "Stark gefährdet" oder bis hin zu "vom Aussterben bedroht" war der landesweite Fledermaus-Datenspeicher, in dem mehr als 7.000 gemeldete Fledermausvorkommen mit über 50.000 dazugehörigen Beobachtungsmeldungen dokumentiert sind.
Auch wenn die Bestände von etlichen Fledermausarten sich in den vergangenen Jahren nach dramatischen Einbrüchen wieder erholt haben und offenbar langsam anwachsen, bleiben etliche Fledermausarten in der Kategorie "stark gefährdet". Dazu zählen "Sorgenkinder", wie z. B. die Kleine Hufeisennase oder die Mopsfledermaus, deren Bestände in Thüringen noch immer ein niedriges Niveau haben bzw. die in Thüringen in manchen Regionen komplett fehlen. Rote Listen stellen eine wichtige Entscheidungs- und Argumentationshilfe dar, um den Zustand und die Gefährdung von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen einzuschätzen. Für 2010 ist eine Neuauflage der Thüringer Roten Listen vorgesehen, die alle 10 Jahre erfolgt.
(Martin Biedermann)


Unter dem Motto "Thüringen ist Hufiland" startet derzeit in Thüringen ein Projekt zur Schaffung von Quartieren für die Kleine Hufeisennase. Räumlicher Schwerpunkt des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie für 2009 und 2010 geförderten Vorhabens, ist das Saaletal und seine Nebentäler. In dieser Region konzentrieren sich die bedeutendsten Kolonien dieser stark gefährdeten Fledermausart in Thüringen. Das bei der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Thüringen angesiedelte Projekt zielt darauf, für ca. 60 % der Thüringer Hufeisennasenpopulation kurzfristig drohende (bauliche) Quartiergefährdungen durch Notsicherungen abzuwenden und für die am stärksten gefährdeten Quartiere je nach Möglichkeit ein bis drei Ausweichquartiere in der Umgebung herzurichten. Diese Quartiere können sich bis zu ca. 3 km von der bekannten Wochenstube entfernt, möglichst in Waldnähe befinden.
Kooperationspartner sind neben dem ehrenamtlichen Fledermausschutz (IFT e.V.) die Naturschutzbehörden der beteiligten Landkreise (Landkreise Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis, Saale-Holzland-Kreis). Darüber hinaus wird eine enge Zusammenarbeit mit der Thüringer Forstverwaltung angestrebt. Mit ihrer Hilfe konnte im April schon ein erstes Gebäude für die Kleine Hufeisennase hergerichtet werden. Das Spaalhaus verfügt jetzt über eine für die Hufeisennasen attraktive Einflugöffnung. Weitere Quartieröffnungen sind derzeit in Planung. In kürze wird über den Fortgang des Projektes auf der Seite www.Hufiland.de berichtet. Alle Freunde der Kleinen Hufis können einen Beitrag leisten, um das Quartierangebot dieser Charakterart Thüringens zu erhalten und zu verbessern.
Der materielle Aufwand für die quartierschaffenden Maßnahmen ist in der Regel gering (z.B. Einbau eines Lamellenfensters statt eines Gitters). Oft genügt es, den Dach- oder Zwischendachbereich für die Tiere nutzbar zu machen bzw. freie Einflüge dorthin einzurichten.
Für weitere Informationen oder Vorortberatungen steht der Projekt- Ansprechpartner Michael Franz zur Verfügung.
(Michael Franz)

Heute wird in der Staatskanzlei Erfurt der Thüringer Minister für Bundes- und Europangelegenheiten, Dr. Klaus Zeh, im Auftrag des Bundespräsidenten und auf Vorschlag des Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen unser Vorstandsmitglied Wolfgang Sauerbier mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auszeichnen!
Mit dieser Würdigung wird Wolfgang Sauerbier aus Bad Frankenhausen (Kyffhäuserkreis) für sein unermüdliches, ehrenamtliches und berufliches Engagement im Naturschutz, speziell im Fledermaus- und Vogelschutz seit etlichen Jahrzehnten ausgezeichnet. Seit 2003 arbeitet er aktiv im Vorstand der IFT e.V. mit, betreut in seiner Heimatregion Nordthüringen z. B. 17 bekannte Wochenstuben des Großen Mausohrs, 3 der Kleinen Hufeisennase und eine Fülle von bedeutenden Winterquartieren. In vielen Ortschaften des Kyffhäuserkreises wurden durch ihn spezielle Artenschutzprojekte erfolgreich umgesetzt. Im Namen des Vorstandes und der Mitglieder der IFT e.V. sowie der Koordinationsstelle für Fledermausschutz gratulieren wir Wolfgang, wünschen ihm alles Gute, weiterhin Schaffenskraft und Gesundheit, spitze Ohren und einen scharfen Blick - um seine wertvolle Arbeit fortsetzen zu können!
(Martin Biedermann)
Deutsche Wissenschaftler entdecken Sinneszellen zum Farbensehen bei Fledermäusen Fledermäuse besitzen in ihrer Netzhaut auch Lichtsinneszellen mit Sehpigmenten für das Tages- und Farbensehen. Diese so genannten Zapfen kommen zwar im Vergleich zu den fürs Nachtsehen nötigen Stäbchen relativ selten vor, sie ermöglichen den nachtaktiven Tieren jedoch Tageslicht-Sehen mit erhöhter Empfindlichkeit für ultraviolettes (UV) Licht. Wissenschaftlern vom Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung und der Universität Oldenburg zufolge helfen die Zapfen den Fledermäusen während der Dämmerung bei der Orientierung und der frühzeitigen Erkennung von Raubvögeln. Von besonderem Vorteil sind die UV-empfindlichen Zapfen bei der Suche nach UV-reflektierenden Blüten. (PLoS ONE, 28. Juli 2009)
Lange Zeit sind Wissenschaftler aufgrund von Gewebeuntersuchungen davon ausgegangen, dass die Netzhaut (Retina) im Auge von Fledermäusen lediglich helligkeitsempfindliche Stäbchen enthält. Genanalysen haben jedoch zwischenzeitlich ergeben, dass diese nachtaktiven Tiere auch Gene zur Bildung zweier Zapfen-Sehpigmente für unterschiedliche Wellenlängen des Lichts besitzen.
Brigitte Müller und ihre Kollegen vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main analysierten deshalb die Sehzellen-Ausstattung zweier in Mittel- und Südamerika beheimateten Blüten besuchenden Fledermausarten, der Langzungenfledermaus Glossophaga soricina und der Brillenblattnase Carollia perspicillata. Zur Identifizierung der verschiedenen Sehzellen verwendeten die Forscher die Methode der Antikörper-Färbung. Damit können die Sehpigmente in den Sehzellen sichtbar gemacht werden. Neben der erwarteten hohen Stäbchendichte - Voraussetzung für das Sehen bei Nacht - fanden die Wissenschaftler auch Zapfen, die 2-4 Prozent der Sehsinneszellen ausmachten. "Dieser Anteil erscheint gering, aber aus Studien an anderen dämmerungsaktiven Tieren wie zum Beispiel Mäusen oder Katzen wissen wir, dass er ausreicht, um die Tiere auch bei Tageslicht sehen zu lassen", sagt Brigitte Müller. Darüber hinaus zeigte die Untersuchung, dass die Fledermäuse Zapfen mit zwei unterschiedlichen Sehpigmenten besitzen: die so genannten S-Zapfen mit hoher Empfindlichkeit für kurzwelliges Licht (UV) und L-Zapfen für langwelliges Licht (gelbgrün). Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Oldenburg gelang durch elektroretinographische Messungen (ERG) auch der Nachweis, dass UV-Licht die Zapfen tatsächlich besonders stark erregt.
Fledermäuse profitieren von farbtüchtigen Augen
Für die Forscher ist damit klar, dass die erhöhte UV-Empfindlichkeit der untersuchten Tiere auf die Zapfen in der Netzhaut zurückzuführen ist. Zumal UV-Licht die Hornhaut und Linse des Fledermausauges durchdringen kann und bis zur Netzhaut gelangt. "Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Blattnasen-Fledermäuse UV-Licht wahrnehmen können. Außerdem sind sie mit ihren zwei Zapfentypen prinzipiell in der Lage, Farben zu unterscheiden", erklärt Brigitte Müller. Obwohl Fledermäuse kleine Augen haben, besitzen sie im Gehirn gut ausgebildete Sehzentren. Auch deshalb sind die Wissenschaftler überzeugt, dass der Sehsinn für die Tiere lebenswichtig ist. Denn nicht alle Fledermausarten leben ausschließlich in Dunkelheit - je nach Nistplatz können sie tagsüber auch einer hellen Umgebung ausgesetzt sein.
Fledermäuse benutzen zur Orientierung im Nahbereich in erster Linie ihr ausgezeichnetes Echoortungssystem. Die Tiere können so Hindernisse oder Beutetiere wahrnehmen und umfliegen bzw. ansteuern. Für Entfernungen ab 10 Metern wird die Echoortung allerdings ungenau, da die akustische Umgebung zu komplex wird und zu viele Störgeräusche auftreten. Der Sehsinn erleichtert somit die frühzeitige Erkennung von Feinden, die Nahrungssuche und die Orientierung auf längeren Flugstrecken. Für Blüten besuchende Fledermäuse wie die hier untersuchten sollte das UV-Sehen zudem den Erfolg bei der Futtersuche steigern, da viele der von Fledermäusen besuchten Blüten UV-Licht besonders stark reflektieren. Menü

Am ersten Aprilwochenende nahmen 8 IFT-Mitglieder an der alle 2 Jahre stattfindenden, bundesweiten Tagung teil. Über 300 Teilnehmer waren dazu aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Die Tagung stand unter dem Motto "Monitoring". Daher haben wir als IFT unsere Ergebnisse des landesweiten Bestandsmonitorings seit 1998 in einem Beitrag vorgestellt. Es wurde deutlich, dass ein derartiges Programm bei guter Organisation, unterstützt durch eine landesweit eingerichtete Koordinationsstelle, umsetzbar ist und die erhobenen Daten sich für eine Auswertung und Einbeziehung in europäische Programme überaus eignen. Weitere Tagungsbeiträge setzten sich u. a. mit dem bundesweiten FFH-Stichprobenmonitoring, der neuen Roten-Liste sowie neuen Konfliktfeldern im Fledermausschutz (wie z. B. Windkraft, Straßenbau, Geo-Catching) auseinander. Als Tagungsort wurde die Stadt Mayen ausgewählt, da sich hier ein überregional bedeutsames Fledermausquartier in einem Basaltbruch am Eifelrand befindet. Geschätzt überwintern hier über 50.000 Fledermäuse. Zudem ist eine hohe "Schwarmaktivität" im Spätsommer zu verzeichnen. Der NABU Rheinland-Pfalz hat neue Wege beschritten und das Steinbruchgelände im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes angekauft. Dieses gilt es nun zu entwickeln. Da eine solche Tagung immer wieder einen anregenden und geeigneten Erfahrungsaustausch über das "kleine Thüringen" hinaus bietet, sollte sich schon jetzt die 10. BAG-Tagung im "internationalen Jahr der Fledermaus 2011" vorgemerkt werden, die dann in Südbayern stattfinden wird.